v e r n i s s a g e n - k l a t s c h

23. September 2006
Basel Maulbeerstrasse 28
Punkt 17.00 Uhr kamen die ersten geladenen Vernissagen-Gäste angereist, Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen. Und sie mussten erst mal Treppen steigen. Nicht alle freuten sich darüber. Die Dachterrasse und die Neugier waren dann trotzdem gute Gründe, die steilen Treppen in Angriff zu nehmen.

Jetzt können wir ja preisgeben, was es denn an der halte.stelle zu sehen gab:
Handtaschen! Jede mit einem Namen und ihrer individuellen Geschichte, gefüllt natürlich...

Und nicht nur zu sehen waren sie, sondern Frau und Mann durften sie auch anfassen, über das Leder streichen, hineingreifen und zum krönenden Abschluss ersteigern.

Die Lieblinge der Anwesenden waren zu unserem Erstaunen Erika und Sonja.

Ob das bei Erika an dem sich darin befindenden Sparschwein oder am neckischen Kroko-Imitat lag, war nicht eindeutig herauszufinden.

Die Leute haben sich eher bedeckt gehalten. Wohl um sich nicht zu exponieren – immer erst abwarten und schauen, was die anderen tun, bzw. hören, was sie finden und sagen...

Um in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben kamen einige von den Gästen sonderbar verkleidet. Es ist mir bewusst, dass persönliche Anmerkungen hier völlig deplaziert sind, doch ich habe nie in meinem Leben so ausgefallene Stiefel gesehen.

Einige liessen Teile Ihrer Garderobe diskret am Tatort zurück; wohl in der Hoffnung, es merke niemand, wem sie gehören.

Sonja (eine Handtasche, kein Gast) hat wohl durch ihr klares Rot und die Herkunft (New York)– bestochen. Nun, die etwas pragmatischeren Gemüter unter den Besuchern liessen sich vielleicht eher durch ihren brauchbaren Inhalt verführen: eine Lauchstange, Zitronensaft und Katzenfutter, Zugfahrplan nicht zu vergessen...
Es darf hier angemerkt werden, dass diese Tasche von einer astreinen Schweizerin ersteigert wurde. Das konnten wir daraus schliessen, dass sie sich besonders über das Aromat freute... leider dürfen wir an dieser Stelle natürlich keine Namen nennen.

Ja, genau, welche Frau/welcher Mann ist denn typisch für welche Tasche? Wenn es denn wirklich die Taschen sind, die sich jemanden suchen. Wollen Taschen getragen werden? Benutzt? Oder besessen? Ausgeführt? Oder verführt?

An das blind date mit Vroni hat sich niemand gehalten. Angst? Blindes Vertrauen ist nicht jedermanns Sache. Und bei so viel Auswahl...

Überhaupt schien es, als sei mit Taschen, die niemand gehören, äusserste Vorsicht geboten.
Erst nach wiederholter, expliziter Aufforderung trauten sich einige, die Taschen zu öffnen und hineinzuschauen oder gar hineinzugreifen und darin zu stöbern...

mehr als einmal ertappten wir BesucherInnen, die mit einem verlegenen Lächeln mit nur 2 Fingern versuchten, den Inhalt einer Tasche zu erfassen. Sobald sie aber der Anwesenheit anderer gewahr wurden, nahmen sie die Finger verschämt zurück.

Wäre das Wetter nicht so herrlich warm und schön gewesen, hätte wohl kaum eine der Herr- & Damenschaften sich bemüht, die Handschuhe auszuziehen........doch bei fast 25 Grad wäre ein solches Verhalten dann doch eher ein wenig auffallend gewesen..

Peinlich zuzugeben, dass die meisten gerne die Nasen in fremde Taschen stecken. Peinlich auch zu merken, dass darin teilweise Dinge liegen, die auch in unseren eigenen Taschen rumpurzeln.
Schlimmer noch das Gefühl, etwas zu finden, das wir selber gerne hätten.

Wir würden ja allzu gerne wissen, was M. mit dem Gebetsbuch zur Vorbereitung auf die Hochzeit vorhat oder N. mit der kleinen Plastikpuppe zum An- & Auskleiden. oder seit wann K. sich ausschliesslich für Markenprodukte (YSL) interessiert... und wer hat sich den Entfluser geschnappt?

Ramona ist bei P. ... Handtasche oder Inhalt? Geheime Triebe oder zu Studienzwecken?

nur Julia mit ihrem tragischen Schicksal bewegte zwar die Gemüter, wurde auch ersteigert - wohl aus Mitleid - aber dann hängen gelassen - aus Aberglauben?